Zurück zu Pflegegrad

Antrag und Begutachtung

Wie bereite ich mich auf den Begutachtungstermin vor?

Stand: 10.08.2026

Für den Begutachtungstermin brauchst du drei Dinge: ein Pflegetagebuch über zwei bis vier Wochen, eine Mappe mit allen ärztlichen Befunden und Therapieberichten und eine Notizliste mit den Situationen, in denen dein Kind mehr Unterstützung braucht als gleichaltrige Kinder. Plane den Termin außerdem so, dass eine ruhige Person dabei ist, die mitschreibt. Wenn du das vorbereitet hast, bist du gut aufgestellt.

Was bei der Begutachtung überhaupt beurteilt wird

Die Gutachterin oder der Gutachter schaut sich an, wie selbstständig dein Kind im Alltag ist. Die gesetzliche Grundlage dafür steht in § 14 und § 15 SGB XI. Beurteilt werden sechs Bereiche: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit und Therapie sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Bei Kindern wird der Unterstützungsbedarf mit dem eines gleichaltrigen Kindes ohne Beeinträchtigung verglichen. Es geht also nicht darum, dass ein Fünfjähriger beim Anziehen Hilfe braucht, sondern darum, wie viel mehr Hilfe dein Kind braucht und warum.

Das Pflegetagebuch als wichtigste Grundlage

Schreibe über zwei bis vier Wochen auf, was ihr täglich leistet. Notiere Uhrzeit, Situation, Art der Hilfe und wie lange es gedauert hat. Auch nächtliche Unterstützung, Aufsicht, Beruhigen nach Reizüberflutung, Erinnern, Anleiten oder das Messen von Blutzucker gehören dazu.

Gerade die unsichtbaren Aufgaben werden oft vergessen. Dazu zählen:

  • ständige Beaufsichtigung, damit sich dein Kind nicht gefährdet
  • immer wiederholtes Auffordern bei alltäglichen Handlungen
  • Begleitung bei Wegen, die andere Kinder allein gehen
  • Umgang mit Wutausbrüchen, Panik oder Rückzug
  • Aufbereiten von Mahlzeiten, Medikamentengabe, Wechsel von Materialien

Unterlagen und Umgebung vorbereiten

Lege alle Befunde, Arztbriefe, Entlassberichte, Therapieberichte, Berichte aus Kita oder Schule sowie Hilfsmittelverordnungen bereit. Eine einfache Klarsichtmappe reicht. Notiere auf einem Blatt die Diagnosen, die behandelnden Praxen und die aktuellen Medikamente.

Der Termin findet in der Regel zu Hause statt. Räume nicht auf, um einen besonders guten Eindruck zu machen. Hilfsmittel, Wickelunterlagen oder Schutzmaßnahmen dürfen sichtbar bleiben, denn sie zeigen euren echten Alltag. Sag deinem Kind vorher altersgerecht, dass Besuch kommt und Fragen stellt.

Wer zuständig ist und welche Fristen gelten

Zuständig ist deine Pflegekasse, die bei der Krankenkasse deines Kindes angesiedelt ist. Sie beauftragt den Medizinischen Dienst, bei privat Versicherten Medicproof. Nach § 18 SGB XI muss die Pflegekasse in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang entscheiden.

Bitte die Pflegekasse schriftlich um das vollständige Gutachten, du hast Anspruch darauf. Falls der Bescheid nicht passt, kannst du innerhalb eines Monats nach Zugang Widerspruch einlegen. Der Pflegegrad gilt ab dem Monat der Antragstellung, auch wenn die Begutachtung später stattfindet.

Beim Termin selbst

Beschreibe einen durchschnittlichen Tag, keinen guten. Viele Kinder zeigen sich vor fremden Menschen unerwartet ruhig und angepasst. Sag das offen an: "Heute wirkt sie unauffällig, gestern hat der Wechsel in die Schule zwei Stunden gedauert." Widersprich freundlich, wenn etwas falsch aufgenommen wird.

Eine zweite erwachsene Person sollte mitschreiben, was gefragt und gesagt wurde. Das hilft später beim Vergleich mit dem Gutachten.

Dein nächster Schritt

Starte heute mit dem Pflegetagebuch, auch wenn der Termin noch nicht feststeht. Nimm ein einfaches Heft oder eine Notiz-App und trage die kommenden drei Tage ein, wann du unterstützt hast und wie lange. Lege parallel eine Mappe für Befunde an. Damit hast du die zwei wichtigsten Bausteine beisammen.

Zusammenfassung

Gute Vorbereitung heißt: Alltag dokumentieren, Unterlagen sammeln, ehrlich vom schlechten Tag erzählen und eine zweite Person dabeihaben. Die Pflegekasse entscheidet in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen, gegen den Bescheid kannst du binnen eines Monats Widerspruch einlegen. Du musst nichts beweisen, du musst nur zeigen, wie euer Tag wirklich aussieht.

So hilft Wolkenfreie Zeit

Wolkenfreie Zeit begleitet Familien in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Unsere Assistenzkräfte kennen den Alltag mit Autismus, ADHS, FASD, Diabetes Typ 1 und Epilepsie aus der täglichen Arbeit und können dir helfen, den tatsächlichen Unterstützungsbedarf deines Kindes in Worte zu fassen. Wenn eine Assistenz bereits in Kita oder Schule tätig ist, können wir Beobachtungen aus dem Alltag beschreiben, die für die Begutachtung wichtig sind.

Dein nächster Schritt: Melde dich bei uns, wenn du unsicher bist, welche Alltagssituationen du dokumentieren solltest. Wir gehen mit dir in Ruhe durch, was in eurem Fall relevant ist, und ordnen ein, welche weiteren Unterstützungsformen neben dem Pflegegrad für euch infrage kommen.

Häufige Fragen

Ja. Du kannst Angehörige, eine Pflegeperson, eine Beratungsstelle oder eine Assistenzkraft dazubitten. Sinnvoll ist eine Person, die mitschreibt und ergänzt, wenn dir etwas entfällt.

Sag der Pflegekasse oder dem Medizinischen Dienst frühzeitig Bescheid und bitte um einen neuen Termin. Ein Termin, an dem dein Kind stark verändert reagiert, bildet den Alltag nicht ab.

In bestimmten Situationen ist eine Begutachtung nach Aktenlage oder per Telefon möglich. Bei Kindern ist ein Hausbesuch meist aussagekräftiger, weil die häusliche Umgebung und die Hilfsmittel mit einbezogen werden.

Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.

‹ Zurück zu Pflegegrad

Barrierefreiheit
Schriftgröße