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Glossar: Die wichtigsten Abkürzungen und Fachbegriffe erklärt
Stand: 10.08.2026
Wer zum ersten Mal einen Antrag stellt, stolpert über Kürzel wie SGB, GdB oder MD. Diese Sprache ist gewachsen, nicht gemacht, um dich auszuschließen. Wenn du die wichtigsten Begriffe einmal einordnen kannst, liest sich ein Bescheid deutlich ruhiger.
Die Sozialgesetzbücher
Die Grundlage fast aller Leistungen sind die Sozialgesetzbücher, abgekürzt SGB, gefolgt von einer römischen Zahl. Sie regeln, wer wofür zuständig ist und welche Hilfen es gibt.
- SGB V: gesetzliche Krankenversicherung, also Behandlung, Heilmittel, Hilfsmittel
- SGB VIII: Kinder- und Jugendhilfe, Zuständigkeit des Jugendamts
- SGB IX: Rehabilitation und Teilhabe, hier steht die Eingliederungshilfe
- SGB XI: Pflegeversicherung, also Pflegegrade und Pflegeleistungen
- SGB XII: Sozialhilfe, unter anderem Hilfe zur Pflege
Welches Buch für dein Kind gilt, hängt davon ab, um welche Unterstützung es geht und wie der Bedarf begründet wird. In manchen Fällen greifen mehrere Bereiche nebeneinander.
Begriffe rund um Teilhabe und Schule
Eingliederungshilfe, oft als EGH abgekürzt, ist die Unterstützung, die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht. Dazu gehört auch die Schulbegleitung, die je nach Region Integrationshilfe, Schulassistenz oder Teilhabeassistenz heißt. Gemeint ist in der Regel dasselbe.
Weitere Begriffe, die dir im Schulkontext begegnen:
- Sonderpädagogischer Förderbedarf: förmlich festgestellter Unterstützungsbedarf in der Schule
- Zielgleich und zieldifferent: Lernen nach dem Lehrplan der Regelschule oder nach angepassten Zielen
- Poollösung: eine Begleitung für mehrere Kinder in einer Klasse oder Schule
- Nachteilsausgleich: Anpassungen wie mehr Zeit oder ein ruhiger Raum, ohne dass die Anforderungen sinken
- Hilfeplan oder Gesamtplan: das Gespräch und Dokument, in dem Ziele und Umfang der Hilfe festgehalten werden
Begriffe rund um Pflege und Behinderung
Ein Pflegegrad beschreibt, wie selbstständig ein Mensch im Alltag ist. Er wird von der Pflegekasse festgestellt, meist nach einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, kurz MD. Bei privat Versicherten übernimmt das eine andere Stelle.
Der Grad der Behinderung, abgekürzt GdB, wird vom Versorgungsamt festgestellt und in Zehnerschritten angegeben. Merkzeichen wie H, B, G, aG oder Bl stehen für bestimmte Beeinträchtigungen und schalten zusätzliche Rechte frei. Beide Systeme sind getrennt: Ein Pflegegrad bedeutet nicht automatisch einen bestimmten GdB und umgekehrt.
Diagnosen und Fachkürzel
Im Alltag begegnen dir Kürzel für Diagnosen und Konzepte. ADHS steht für die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, ASS für Autismus-Spektrum-Störung, FASD für die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft. Diabetes Typ 1 wird oft mit den Geräten CGM, also kontinuierliche Glukosemessung, und Pumpe verbunden.
Dazu kommen fachliche Modelle. Die ICF ist ein Klassifikationssystem, das nicht nur die Diagnose, sondern auch Umwelt und Teilhabe beschreibt. UK steht für Unterstützte Kommunikation, also Verständigung ohne oder ergänzend zur Lautsprache.
Begriffe im Antragsverfahren
Ein Bescheid ist die schriftliche Entscheidung einer Behörde. Gegen einen Bescheid kannst du innerhalb der genannten Frist Widerspruch einlegen. Wird dem Widerspruch nicht abgeholfen, folgt ein Widerspruchsbescheid, gegen den eine Klage beim Sozialgericht möglich ist. Ein Eilantrag, oft einstweiliger Rechtsschutz genannt, ist für Situationen gedacht, die keinen Aufschub dulden.
Weitere häufige Wörter: Kostenträger ist die Stelle, die zahlt. Leistungserbringer ist der Dienst, der die Hilfe erbringt. Bedarfsermittlung ist das Verfahren, mit dem der Umfang der Hilfe festgestellt wird.
Zusammenfassung
Die meisten Kürzel stehen für nur drei Dinge: welches Gesetz gilt, welche Stelle entscheidet und welche Hilfe gemeint ist. Wenn du beim Lesen eines Bescheids diese drei Fragen beantworten kannst, hast du das Wichtigste erfasst. Alles andere kannst du hier nachschlagen oder direkt bei der zuständigen Stelle nachfragen. Du darfst jederzeit um eine Erklärung in einfacher Sprache bitten.
So hilft Wolkenfreie Zeit
Wir kennen die Begriffe aus dem Alltag in acht Bundesländern und wissen, dass sie regional unterschiedlich verwendet werden. Was in Sachsen Integrationshilfe heißt, nennt sich in Schleswig-Holstein vielleicht Schulbegleitung. Wenn du einen Bescheid oder ein Formular vor dir hast und nicht weißt, was gemeint ist, ordnen wir das mit dir gemeinsam ein und sagen dir, welche Stelle für deine Frage zuständig ist.
Als nächsten Schritt kannst du dir eine kurze Liste der Begriffe machen, die dir in deinen Unterlagen begegnen und unklar sind. Nimm sie mit ins nächste Gespräch mit uns oder mit dem Amt. Dann klärt sich vieles in wenigen Minuten.
Häufige Fragen
MDK war die frühere Bezeichnung für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Heute heißt er nur noch Medizinischer Dienst, kurz MD. Gemeint ist dieselbe Begutachtungsstelle.
Die Sozialgesetze gelten bundesweit, die Umsetzung liegt aber bei Ländern und Kommunen. Dadurch haben sich unterschiedliche Bezeichnungen und Formulare entwickelt. Frag im Zweifel nach, welche Leistung fachlich gemeint ist.
Nein. Es reicht, den Bedarf deines Kindes verständlich zu beschreiben. Die richtige Rechtsgrundlage zu finden ist Aufgabe der Behörde. Ein Hinweis auf den passenden Bereich kann das Verfahren aber beschleunigen.
Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.