Lernen
Was ist Legasthenie und was ist eine LRS?
Stand: 10.08.2026
Viele Eltern hören in Elterngesprächen oder in Berichten die Begriffe Legasthenie und LRS und sind unsicher, ob damit dasselbe gemeint ist. Beide Begriffe beschreiben deutliche und länger andauernde Schwierigkeiten beim Lesen, beim Rechtschreiben oder bei beidem. Wichtig ist: Es geht dabei nicht um Faulheit und nicht um fehlende Intelligenz.
Was mit Legasthenie gemeint ist
Legasthenie ist ein Begriff aus der medizinischen und psychologischen Diagnostik. Gemeint ist eine umschriebene Lese-Rechtschreib-Störung, also eine Schwierigkeit, die deutlich stärker ausgeprägt ist, als es nach dem Alter, der Beschulung und den sonstigen Fähigkeiten des Kindes zu erwarten wäre. Festgestellt wird sie meist durch eine Fachstelle, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei psychologischen Praxen oder in spezialisierten Beratungsstellen.
Typisch ist, dass die Schwierigkeiten hartnäckig bleiben, auch wenn viel geübt wird. Das Lesen bleibt langsam oder stockend, die Rechtschreibung wirkt unsicher und dasselbe Wort wird in einem Text unterschiedlich geschrieben.
Was LRS bedeutet
LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Der Begriff wird vor allem im Schulsystem genutzt. Er ist weiter gefasst und beschreibt zunächst, dass ein Kind im Lesen und Schreiben deutlich hinter dem Lernstand der Klasse liegt. Ob dahinter eine diagnostizierte Legasthenie steht, ist damit noch nicht gesagt.
Eine LRS kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel längere Fehlzeiten, ein Schulwechsel, Hörprobleme, eine belastende Lebenssituation oder eine Mehrsprachigkeit, bei der die Unterrichtssprache noch aufgebaut wird. Die schulischen Regelungen zu LRS unterscheiden sich je nach Bundesland.
Woran du Schwierigkeiten früh bemerkst
Hinweise zeigen sich oft schon in den ersten Schuljahren, manchmal auch vorher in der Sprachentwicklung. Mögliche Anzeichen sind:
- das Zusammenziehen von Lauten zu Wörtern gelingt lange nicht sicher
- Buchstaben werden verwechselt oder ausgelassen
- Lesen kostet sehr viel Kraft, der Inhalt geht dabei verloren
- geübte Wörter werden kurz darauf wieder falsch geschrieben
- starker Widerstand gegen Hausaufgaben, Bauchweh vor Diktaten
Einzelne Beobachtungen sagen für sich genommen wenig aus. Wenn sich ein Muster über Monate hält, lohnt sich ein Gespräch mit der Lehrkraft und danach eine fachliche Abklärung.
Warum die Unterscheidung praktisch wichtig ist
Die Begriffe sind nicht nur eine Frage der Formulierung. An sie können unterschiedliche Wege geknüpft sein. Für schulische Maßnahmen wie Nachteilsausgleich oder eine veränderte Bewertung der Rechtschreibleistung reicht häufig die schulische Feststellung einer LRS. Für weitergehende Hilfen außerhalb der Schule wird in der Regel eine fachliche Diagnostik benötigt.
Wie das im Einzelnen geregelt ist, hängt vom Bundesland und von der Schulform ab. Frag im Zweifel direkt bei der Schule oder der zuständigen Stelle nach, welche Unterlagen gebraucht werden.
Was deinem Kind im Alltag hilft
Hilfreich ist ein Übungsweg, der zum Kind passt: kurze, regelmäßige Einheiten statt langer Pflichtstunden, klarer Aufbau, viel Wiederholung und Erfolge, die sichtbar werden. Ebenso wichtig ist die Entlastung im Alltag, damit Lesen und Schreiben nicht zum Dauerkonflikt in der Familie werden.
Achte auch auf das Selbstbild deines Kindes. Kinder mit anhaltenden Lese- und Schreibschwierigkeiten erklären sich das Scheitern oft mit eigener Dummheit. Eine ruhige Erklärung, warum ihr Gehirn hier einen anderen Weg braucht, nimmt Druck heraus.
Zusammenfassung
Legasthenie bezeichnet eine fachlich diagnostizierte Lese-Rechtschreib-Störung, LRS ist der weiter gefasste schulische Begriff für deutliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Beide beschreiben keine Frage von Begabung oder Anstrengung. Entscheidend sind eine frühe Abklärung, passende Förderung und ein Umfeld, das den Druck herausnimmt.
So hilft Wolkenfreie Zeit
Wolkenfreie Zeit begleitet Kinder im Schulalltag durch Schulbegleitung. Eine Schulbegleitung übernimmt kein Fördertraining und ersetzt keine Lerntherapie, sie kann dein Kind aber dabei unterstützen, Arbeitsschritte zu strukturieren, Aufgaben zu verstehen, bei Frust Ruhe zu finden und vereinbarte Hilfen wie Leseanpassungen im Unterricht tatsächlich zu nutzen. Auch der Kontakt zwischen Schule und Familie wird dadurch oft verlässlicher.
Wenn du unsicher bist, ob eine Begleitung für dein Kind sinnvoll ist, sprich zuerst mit der Schule über die bisherigen Beobachtungen und lass den Lernstand fachlich abklären. Danach kannst du dich mit uns in Verbindung setzen, um zu klären, ob und wie eine Unterstützung in deinem Bundesland möglich ist.
Häufige Fragen
In der Regel bleiben die Schwierigkeiten bestehen, sie verändern sich aber. Viele Jugendliche und Erwachsene lesen später ausreichend sicher, brauchen dafür jedoch mehr Zeit und nutzen dauerhaft Hilfsmittel.
Ja. Die Lese- und Schreibschwierigkeiten sagen nichts über die allgemeine Denkfähigkeit aus. Wichtig sind passende Unterstützung und die Regelungen der jeweiligen Schule.
Dann geht es meist um eine Rechenschwäche, die als Dyskalkulie bezeichnet wird. Sie wird getrennt abgeklärt, kann aber gemeinsam mit Lese- und Schreibschwierigkeiten auftreten.
Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.