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Grundlagen

Unterzuckerung erkennen und richtig handeln

Stand: 01.08.2026

Eine Unterzuckerung, fachlich Hypoglykämie, kann bei jedem Kind auftreten, das Insulin bekommt: durch zu viel Insulin, zu wenig Essen, mehr Bewegung als geplant oder auch durch Aufregung. Sie entwickelt sich oft schnell und muss immer sofort behandelt werden. Eine Unterzuckerung hat Vorrang vor allem anderen, vor dem Unterricht und auch vor der Klassenarbeit.

Typische Anzeichen

Jedes Kind zeigt eine Unterzuckerung etwas anders. Das individuelle Muster gehört deshalb in den Notfallplan. Häufig sind:

  • Zittern, Schwitzen, Blässe
  • Heißhunger
  • Konzentrationsverlust: Das Kind wird langsam, verträumt oder macht plötzlich viele Fehler
  • Stimmungsänderung: weinerlich, albern, gereizt oder aggressiv, wie ausgewechselt
  • Kopfschmerzen, weiche Knie, Sehstörungen
  • Bei kleinen Kindern oft unspezifisch: quengelig, müde, komisch

Eine Faustregel hat sich bewährt: Ein Kind, das sich plötzlich untypisch verhält, hat bis zum Beweis des Gegenteils eine Unterzuckerung. Im Zweifel wird gemessen. Wenn Messen nicht schnell möglich ist und der Verdacht deutlich ist, wird behandelt. Ein paar Gramm Zucker zu viel schaden nicht, eine unbehandelte Unterzuckerung schon.

Was sofort zu tun ist

Solange das Kind ansprechbar ist und sicher schlucken kann:

  • Sofort schnelle Kohlenhydrate geben, nach Notfallplan. Üblich sind Traubenzucker oder etwa 100 bis 200 Milliliter Saft oder zuckerhaltige Limonade. Keine Cola light und keine Schokolade, denn Fett verzögert die Aufnahme.
  • Beim Kind bleiben. Es wird nicht allein gelassen und nicht allein losgeschickt, auch nicht kurz zur Toilette.
  • Nach etwa 15 Minuten kontrollieren. Ist der Wert noch nicht im Zielbereich, folgt erneut eine Portion schneller Kohlenhydrate. Diese Regel ist als 15-15-Regel bekannt.
  • Je nach Plan danach langsame Kohlenhydrate wie Brot oder ein Müsliriegel, damit der Wert stabil bleibt.
  • Dokumentieren und die Eltern informieren, wie vereinbart.

Während einer Unterzuckerung und kurz danach gilt: keine Anforderungen, kein Sport, keine Klassenarbeit. Das Gehirn braucht erst wieder Energie.

Die schwere Unterzuckerung

Von einer schweren Hypoglykämie spricht man, wenn das Kind nicht mehr sicher schlucken kann, nicht mehr ansprechbar ist, krampft oder bewusstlos wird. Das ist ein medizinischer Notfall.

Eine Regel steht dabei über allem: Einem bewusstlosen oder nicht sicher schluckenden Kind wird niemals Essen oder Trinken eingeflößt. Es besteht Erstickungsgefahr.

Der Ablauf im Notfall:

  • Notruf 112, sofort und parallel zu allem Weiteren.
  • Glukagon verabreichen, sofern vorhanden und die Person eingewiesen ist. Es gibt es als Nasenspray, das auch bei Bewusstlosen wirkt, und als Spritzen-Set. Glukagon ist das Gegenhormon zu Insulin und setzt Zuckerreserven der Leber frei.
  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, Atmung überwachen.
  • Beim Erwachen, meist nach fünf bis fünfzehn Minuten, schnelle Kohlenhydrate geben, sobald sicher geschluckt werden kann.
  • Eltern informieren, an den Rettungsdienst übergeben, den Vorfall anschließend dokumentieren.

Nach einer schweren Unterzuckerung gehört das Kind an diesem Tag zu den Eltern beziehungsweise in ärztliche Obhut. Uhrzeit, letzter Wert, Insulingaben, Essen und Aktivität werden festgehalten, denn das Diabetesteam braucht diese Daten, um die Therapie anzupassen.

Vorbereitung entscheidet

  • Alle Beteiligten wissen, wo Traubenzucker liegt, und zwar mehrfach deponiert: Klassenraum, Sporthalle, Ausflugsrucksack.
  • Alle wissen, wo das Glukagon aufbewahrt wird, und das Haltbarkeitsdatum wird regelmäßig geprüft.
  • Die Anwendung wird vorher praktisch gezeigt, nicht erst im Ernstfall gelesen.
  • Mit der Schule ist geklärt, wer den Notruf wählt, wer das Glukagon holt und wer sich um die Klasse kümmert.

Zusammenfassung

Eine Unterzuckerung entwickelt sich schnell und hat immer Vorrang. Ansprechbare Kinder bekommen sofort schnelle Kohlenhydrate und werden nach 15 Minuten kontrolliert. Bei Bewusstlosigkeit gilt: nichts einflößen, Notruf 112, Glukagon nach Einweisung, stabile Seitenlage.

Diese Angaben ersetzen keine ärztliche Beratung. Maßgeblich ist immer der individuelle Behandlungs- und Notfallplan deines Kindes.

So hilft Wolkenfreie Zeit

Bevor eine unserer Diabetesassistenzen startet, gehen wir den Notfallplan gemeinsam mit dir durch: individuelle Grenzwerte, typische Anzeichen deines Kindes, Aufbewahrungsort von Traubenzucker und Glukagon, Erreichbarkeiten.

Die Anwendung von Glukagon lassen wir uns von dir oder dem Diabetesteam praktisch zeigen. Eine Notfallmedikation darf nur nach schriftlicher Vereinbarung, ärztlicher Anordnung und persönlicher Einweisung gegeben werden.

Häufige Fragen

Als Orientierung gilt ein Wert unter etwa 70 mg/dl. Die verbindliche Grenze für dein Kind steht im individuellen Behandlungsplan und kann davon abweichen.

Das enthaltene Fett verzögert die Aufnahme des Zuckers. Gebraucht werden schnelle Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft.

Eine Fehldosierung ist praktisch ungefährlich. Im Zweifel gilt: geben. Gefährlich ist die unbehandelte schwere Unterzuckerung, nicht das Glukagon.

Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.

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