Alltag & Praxis
Auf Augenhöhe sprechen: Kommunikation bei Hör-, Seh- und Sprachbeeinträchtigung
Stand: 01.08.2026
Menschen mit Einschränkungen erleben täglich, dass über sie statt mit ihnen gesprochen wird, dass man sie duzt wie Kinder oder ihre Sätze beendet. Wertschätzende Kommunikation beginnt deshalb bei wenigen Grundregeln.
Grundregeln
- Erwachsene Ansprache: das Sie, der Name, normale Wortwahl. Keine Verniedlichungen und kein Singsang.
- Augenhöhe herstellen: bei Rollstuhlfahrenden oder bettlägerigen Menschen hinsetzen oder hinhocken statt von oben herab zu sprechen.
- Zeit lassen: Sätze nicht beenden, Antworten abwarten, auch wenn es dauert. Wer immer wieder unterbrochen wird, verstummt irgendwann ganz.
- Direkt ansprechen, auch wenn Angehörige dabei sind. Der Mensch selbst ist der Gesprächspartner.
Bei eingeschränktem Hören
- Blickkontakt herstellen, bevor man spricht, etwa durch Antippen oder indem man ins Sichtfeld tritt.
- Deutlich und in normalem Tempo sprechen, das Gesicht zugewandt und gut beleuchtet, damit das Lippenbild erkennbar bleibt.
- Nicht schreien. Schreien verzerrt die Sprache und wirkt aggressiv. Tiefer und klarer sprechen hilft mehr.
- Umformulieren statt stur zu wiederholen, wichtige Informationen bei Bedarf aufschreiben.
- An die Trageroutine von Hörgeräten erinnern und auf Batterien oder Pfeifgeräusche achten. Einstellung und Pflege sind Sache von Angehörigen und Akustiker.
Bei eingeschränktem Sehen
- Beim Betreten und Verlassen des Raums ansagen, wer da ist.
- Beschreiben statt zeigen: Die Tasse steht rechts neben Ihrer Hand ist hilfreich, ein da ist es nicht.
- Nichts umstellen ohne Absprache. Die mentale Landkarte der Wohnung ist die Selbstständigkeit des Menschen.
- Beim Führen den eigenen Arm anbieten, sodass der Mensch sich einhakt, statt ihn zu schieben oder zu ziehen.
Bei Sprachstörungen
Nach einem Schlaganfall kann eine Aphasie zurückbleiben, also eine Störung der Sprache. Hier gilt:
- Geduld ist alles. Zeit geben, nicht raten und nicht vorsagen, außer der Mensch wünscht es ausdrücklich.
- Ja-Nein-Fragen anbieten, wenn freies Sprechen schwerfällt.
- Niemals die Intelligenz unterschätzen. Eine Sprachstörung heißt nicht, dass jemand weniger versteht oder weniger denkt.
Zusammenfassung
Würdevolle Kommunikation heißt: erwachsen ansprechen, Augenhöhe herstellen, Zeit lassen und direkt mit dem Menschen sprechen. Je nach Beeinträchtigung kommen einfache, wirksame Anpassungen hinzu, vom Blickkontakt vor dem Sprechen bis zum angebotenen Arm.
So hilft Wolkenfreie Zeit
Diese Haltung ist bei uns kein Zusatz, sondern Teil der Einarbeitung. Unsere Assistenzkräfte sprechen mit den Menschen, die sie begleiten, und nicht über sie, auch nicht bei Arztterminen oder Behördengängen.
Wenn du den Eindruck hast, dass jemand über den Kopf deines Angehörigen hinweg entscheidet, sprich uns an. Das gehört korrigiert.
Häufige Fragen
Lieber tiefer und deutlicher als lauter. Schreien verzerrt die Sprache und macht das Verstehen schwerer. Wichtig sind Blickkontakt vor dem Sprechen und ein gut beleuchtetes Gesicht.
Nur, wenn sie es möchte. Vorsagen nimmt Druck, kann aber auch entmutigen. Ja-Nein-Fragen und Geduld helfen den meisten Betroffenen mehr.
Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.