Grundlagen
Pen, Pumpe und CGM: die Technik verständlich erklärt
Stand: 01.08.2026
Diabetestechnik hat den Alltag vieler Familien erleichtert, macht ihn aber auch erklärungsbedürftig. Hier findest du die wichtigsten Bausteine im Überblick.
Die Pen-Therapie
Bei der intensivierten konventionellen Therapie wird Insulin mit Pens gespritzt. Dabei gibt es zwei Sorten:
- Basalinsulin, ein Langzeitinsulin, das ein- bis zweimal täglich den Grundbedarf deckt. Es wird meist zu Hause gegeben.
- Bolusinsulin, ein schnelles Insulin, das zu jeder Mahlzeit und zur Korrektur hoher Werte gegeben wird. Das betrifft den Schultag.
Der Pen ist robust und einfach: Einheiten einstellen, Nadel aufsetzen, in Bauch oder Oberschenkel injizieren. Je nach Alter spritzt das Kind selbst, wobei die eingestellte Dosis kontrolliert wird, oder ein Erwachsener übernimmt.
Die Insulinpumpe
Die Pumpe wird ständig am Körper getragen, entweder mit Schlauch oder als schlauchlose Patch-Pumpe direkt auf der Haut. Sie enthält ausschließlich schnelles Insulin.
- Die Basalrate gibt rund um die Uhr winzige, vorprogrammierte Insulinmengen ab.
- Der Bolus wird per Knopfdruck oder App zur Mahlzeit und zur Korrektur ausgelöst. Ein Bolusrechner schlägt die Dosis vor, wenn Kohlenhydrate und aktueller Wert eingegeben werden.
Das Insulin gelangt über einen dünnen Katheter unter die Haut, der alle zwei bis drei Tage gewechselt wird.
AID-Systeme
Immer mehr Kinder tragen AID-Systeme, also Systeme zur automatischen Insulindosierung. Pumpe und Sensor sind gekoppelt, ein Algorithmus passt die Basalrate laufend an und korrigiert hohe Werte teilweise selbst.
Ein Punkt wird dabei oft missverstanden: Die Mahlzeiten-Boli müssen weiterhin von Hand ausgelöst werden. Vor dem Essen werden die Kohlenhydrate eingegeben, das nimmt einem auch ein AID-System nicht ab.
CGM verstehen
Ein CGM-Sensor, meist am Oberarm, misst alle ein bis fünf Minuten den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe und sendet ihn an Handy, Empfänger oder Pumpe. Eltern können die Werte oft live mitverfolgen.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Gewebe- und Blutzucker: Der Sensorwert hinkt dem Blutwert um etwa fünf bis fünfzehn Minuten hinterher. Praktisch heißt das:
- Bei schnellen Änderungen, also nach dem Essen, beim Sport oder in der Unterzuckerung, kann der Sensor zu spät sein.
- Wenn Symptome und Sensorwert nicht zusammenpassen, wird blutig nachgemessen. Die Symptome des Kindes schlagen den Sensor.
- Nach der Behandlung einer Unterzuckerung steigt der Sensorwert verzögert. Deshalb nicht nachlegen, sondern nach Plan kontrollieren.
Trendpfeile sind die halbe Information
Neben dem Wert zeigt ein CGM die Richtung an: stabil, langsam steigend oder fallend, schnell oder sehr schnell.
Ein Beispiel macht die Bedeutung klar: 90 mg/dl mit steil fallendem Pfeil heißt, dass in zehn Minuten wahrscheinlich eine Unterzuckerung vorliegt. Gehandelt wird jetzt, nicht erst beim Alarm. Umgekehrt sind 200 mg/dl mit leicht fallendem Pfeil nach einer Korrektur genau richtig.
Alarme dürfen nie einfach weggedrückt werden. Mit Lehrkraft und Klasse sollte geklärt sein, dass Handy oder Empfänger kein Spielzeug und kein verbotenes Handy sind. Das Kind darf sie immer bei sich haben, auch in Klassenarbeiten.
Wenn die Technik streikt
Für jede Komponente gibt es eine Rückfallebene: blutige Messung statt Sensor, Pen statt Pumpe. Häufige Situationen:
- Pumpenalarm wegen Verschluss: Der Katheter ist verstopft, es kommt kein Insulin mehr an. Weil Pumpen nur schnelles Insulin enthalten, gibt es kein Langzeitdepot, und der Wert steigt binnen weniger Stunden gefährlich. Eltern sofort kontaktieren.
- Katheter oder Patch-Pumpe abgerissen, oft beim Sport: Stelle versorgen, Eltern anrufen, denn die Insulinzufuhr muss zeitnah wiederhergestellt werden.
- Sensorausfall: kein Drama. Es wird klassisch blutig gemessen, bis Ersatz da ist, dafür aber häufiger, weil das Frühwarnsystem fehlt.
Nicht verändert werden dürfen Basalraten, Faktoren und Alarmgrenzen. Diese Einstellungen ändern ausschließlich Eltern und Diabetesteam.
Zusammenfassung
Pen und Pumpe sind zwei Wege, Insulin zu geben, AID-Systeme automatisieren einen Teil davon, ersetzen aber nicht den Mahlzeiten-Bolus. Beim CGM zählt neben dem Wert vor allem der Trend. Für jede Technik gibt es eine Rückfallebene, und Grundeinstellungen bleiben in der Hand von Eltern und Diabetesteam.
So hilft Wolkenfreie Zeit
Wir lassen uns jedes Gerät deines Kindes vor dem ersten Einsatztag von dir praktisch zeigen und üben die Abläufe, bevor der Ernstfall kommt.
Sinnvoll ist außerdem, die typischen Störungen einmal gemeinsam durchzugehen und die Antworten schriftlich zum Notfallplan zu nehmen. Im Ernstfall arbeitet unsere Assistenz dann eine bekannte Liste ab, statt zu improvisieren.
Häufige Fragen
Ja. Handy oder Empfänger sind medizinische Geräte und kein verbotenes Handy. Das sollte vorab mit der Schule geklärt und im Kollegium bekannt sein.
Oft der Trend. Ein normaler Wert mit steil fallendem Pfeil ist alarmierender als ein etwas niedrigerer, aber stabiler Wert.
Nur wenn genau das vereinbart und praktisch eingewiesen wurde. Andernfalls werden die Eltern kontaktiert und nach Plan auf den Pen umgestellt.
Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.