Verhalten und Gefühle
Warum erzählt mein Kind Dinge, die nicht passiert sind?
Stand: 06.08.2026
Viele Eltern kennen die Situation. Das Kind erzählt eine Geschichte, die klar nicht stimmen kann, und wirkt dabei völlig überzeugt. Bei Kindern mit FASD hat dieses Verhalten meist gut nachvollziehbare Gründe, die mit der Art zu tun haben, wie das Gehirn Informationen verarbeitet.
Der Unterschied zwischen Lügen und Erzählen
Wir denken bei falschen Aussagen schnell an bewusstes Lügen. Bei FASD ist das oft nicht der passende Rahmen. Lügen setzt voraus, dass ein Kind genau weiß, was wirklich passiert ist, und sich bewusst dagegen entscheidet, die Wahrheit zu sagen. Genau diese Voraussetzungen sind bei FASD häufig beeinträchtigt.
Wenn dein Kind etwas erzählt, das nicht passiert ist, kann es sein, dass es selbst gerade fest daran glaubt. Der Vorwurf zu lügen trifft dann ins Leere und verletzt oft mehr, als er hilft.
Gedächtnis und Zeit als mögliche Ursachen
Bei FASD können das Arbeitsgedächtnis und das Erinnern lückenhaft sein. Ereignisse werden nicht immer in der richtigen Reihenfolge oder mit den richtigen Details abgespeichert. Das Gehirn füllt Lücken dann mit etwas auf, das plausibel erscheint. Fachleute sprechen hier oft von Konfabulation. Das Kind erfindet nichts absichtlich, sondern ergänzt fehlende Teile mit dem, was gerade verfügbar ist.
Auch das Zeitgefühl kann betroffen sein. Gestern, letzte Woche und vor einem Jahr verschwimmen. Wenn dein Kind erzählt, dass etwas heute passiert ist, kann es sich auf ein ganz anderes Ereignis beziehen, das es zeitlich nicht einordnen kann.
Fantasie, Wunsch und Zugehörigkeit
Manche Geschichten entstehen aus dem Wunsch, dazuzugehören oder gut dazustehen. Ein Kind, das im Alltag viele Schwierigkeiten erlebt, erzählt vielleicht von Erlebnissen, die es sich wünscht. Auch der starke Drang, sofort zu antworten, spielt eine Rolle. Kinder mit FASD sagen manchmal einfach das Erste, was ihnen einfällt, weil eine Pause zum Nachdenken schwerfällt.
Andere Aussagen entstehen, weil das Kind eine erwartete Antwort geben möchte. Fragst du eindringlich, ob etwas passiert ist, sagt es vielleicht ja, weil es spürt, dass du das hören willst, nicht weil es stimmt.
Wie du hilfreich reagieren kannst
Ruhig zu bleiben ist der wichtigste Schritt. Strafe und harte Vorwürfe verstärken oft nur die Unsicherheit. Hilfreicher ist es, dem Kind nicht zu unterstellen, dass es dich täuschen will.
- Stelle offene Fragen statt Fangfragen und dränge nicht auf eine schnelle Antwort.
- Bleib bei den Fakten, die du kennst, und benenne ruhig, was du beobachtet hast.
- Nutze Fotos, einen Kalender oder feste Abläufe, um Erinnerungen zu stützen.
- Trenne Fantasie und Wirklichkeit freundlich, ohne die Erzählung ins Lächerliche zu ziehen.
- Achte darauf, ob eine Geschichte auf ein echtes Bedürfnis hinweist, etwa nach Aufmerksamkeit oder Nähe.
Wenn Aussagen sich auf mögliche Gefährdungen beziehen, nimm sie ernst und prüfe sie sorgfältig, auch wenn Details verwirrend wirken.
Zusammenfassung
Wenn dein Kind mit FASD Dinge erzählt, die nicht passiert sind, steckt meist kein bewusstes Lügen dahinter. Gedächtnislücken, ein unsicheres Zeitgefühl, Fantasie und der Wunsch dazuzugehören spielen zusammen. Mit Ruhe, klaren Strukturen und ohne Vorwürfe kannst du deinem Kind Halt geben und gleichzeitig bei den Fakten bleiben.
So hilft Wolkenfreie Zeit
Eine Schulbegleitung oder Kita-Assistenz von Wolkenfreie Zeit kann im Alltag beobachten, in welchen Situationen solche Erzählungen auftreten, und dein Kind mit Struktur, ruhiger Ansprache und Erinnerungshilfen unterstützen. So lassen sich Überforderung und der Druck, schnell antworten zu müssen, verringern.
Als nächsten Schritt kannst du beschreiben, in welchen Momenten dir das Verhalten auffällt, und mit uns überlegen, welche Form der Begleitung zu deinem Kind passt. Gemeinsam mit dir und der Einrichtung lassen sich einfache Hilfen abstimmen, die den Alltag ruhiger machen.
Häufige Fragen
Eine sanfte Rückmeldung ist besser als ein Verhör. Benenne ruhig, was du beobachtet hast, ohne dein Kind blosszustellen oder zu einem Geständnis zu drängen.
Das ist möglich, verläuft aber unterschiedlich. Manche Kinder lernen mit Hilfen, Erinnerungen besser zu ordnen. Feste Abläufe und Geduld unterstützen diesen Prozess.
Wenn die Erzählungen zu Konflikten führen, dein Kind stark belasten oder mögliche Gefährdungen betreffen, ist es sinnvoll, Fachleute einzubeziehen und die Beobachtungen gemeinsam einzuordnen.
Dieser Artikel informiert allgemein und sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte geben die zuständigen Stellen, Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.